Der österreichische Pinscher

10 Österreichische Pinscher beim Pinschertreffen 2013
Pinschertreffen 2013

 

Geschichte:
Anfang des vorigen Jahrhunderts war der Österreichische Pinscher in Mitteleuropa als Bauern- und Landhund weit verbreitet. Durch die geringe Größe und die Genügsamkeit war er der ideale Hund auf den Höfen. Doch im Laufe der Zeit wurde der Österreichische Pinscher immer mehr durch den Deutschen Schäferhund, Jagdhunde und andere in Mode kommenden Rassen verdrängt.

Ab 1921 begann Prof. DDr. Emil Hauck mit der planmäßigen Zucht und erreichte, dass der Landpinscher (früher auch oft "Semmelhund" oder "Rattler" genannt) 1928 als "Österreichischer kurzhaariger Pinscher" vom ÖKV und FCI anerkannt wurde.

Doch trotz dieser Bemühungen gab es in den 70er Jahren nur noch einen Zuchtrüden und die Rasse stand kurz vor dem Aussterben.

Danach verdanken wir es Familie Mangold die sich mit dem Zwinger "vom Schildbach" dieser tollen Hunde annahm, sogenannte Landpinscher einkreuzte und es somit wieder Welpen gab.

Im Jahr 2003 wurde die Rassebezeichnung auf "Österreichischer Pinscher" geändert.

Im Laufe der Rassegeschichte des Österreichischen Pinscher gab es immer wieder Vereine, die sich um die Rasse kümmerten. 2002 wurde wieder ein Verein, der Klub für Österreichische Pinscher-KÖP gegründet. Es wurden Zuchtkriterien erstellt, die nicht nur den Rassestandard als Zuchtziel sehen, sondern auch den Inzuchtkoeffizienten niedrig zu halten und durch Landpinschereinkreuzungen die genetische Basis zu verbreitern. Vor allem Frau Mag. Huspeka, die ehemalige Obfrau des Klubs und Familie Mangold leisten hier mit ihrem "Landpinscherprojekt" und dem "Projekt zum Aufbau einer breiten genetischen Basis des Österreichische Pinschers" wertvolle Arbeit.

Doch noch immer gibt es relativ wenige Österreichische Pinscher mit Papieren, zirka 600 Hunde weltweit, davon ungefähr 300 in Österreich, die Zukunft als Rassehund ist somit sehr ungewiss. Nur wenn sich immer wieder Menschen für diese Hunde begeistern können und mit ihren Hunden eine Zuchtzulassung anstreben und dann eventuell bereit sind ihren Rüden zum Decken bereit zu stellen oder mit ihrer Hündin Welpen groß zu ziehen wird ein Überleben dieser Rasse in den nächsten Jahren gesichert sein.

 

Aussehen:

Das allgemeine Erscheinungsbild ist ein mittelgroßer, stämmiger Hund, dessen Fellfarbe von semmelgelb, braungelb, hirschrot bis schwarz mit lohfarbenen Abzeichen differieren kann. Das Deckhaar kann kurz bis mittellang mit dichter, kurzer Unterwolle sein.

Die Größe beträgt bei Rüden zwischen 44-50 cm (Widerristhöhe) und bei Hündinnen zwischen 42-48 cm.

Beim Österreichischen Pinscher gibt es kein uniformes Aussehen, der Rassestandard gibt nur die Rahmenbedingungen vor und orientiert sich auch heute noch an der ursprünglichen Wuchsform der Landrasse. Somit ergibt sich durch den Spielraum bei der Größe, den verschiedenen Farben, Ohren- und Rutenhaltung ein individuelles Bild.

Aber gerade diese Unterschiede machen diese liebenswerte Hunderasse so interessant.

 

Wesen und Charakter:

Der Österreichische Pinscher ist wesensfest, lebhaft, aufmerksam, spielfreudig und besonders anhänglich an seine Menschen, misstrauisch gegenüber Fremden, unbestechlich, mit schwach ausgeprägten Jagdtrieb, ohne der Neigung zum Streunen und Wildern (natürlich gibt es keinen Hund ohne Jagdtrieb, aber rassebedingt ist dieser bei dem einen stärker, beim anderen schwächer). Auch der Österreichische Pinscher wird einem Hasen nachrennen, wenn dieser vor seiner Nase aufspringt, er wird aber stets nach einigen Minuten zu seinem Menschen zurückkehren und nicht stundenlang eine Spur verfolgen.

Er meldet ohne ein Kläffer zu sein, ist lernbereit und anpassungsfähig. Durch seine Vergangenheit als Hofhund, der es gewohnt war die Menschen und Tiere in seinem Umfeld zu beschützen und unerwünschtes Getier, wie Ratten, Mäuse und Wildkaninchen vom Hof fernzuhalten, ist er ein ausgezeichneter Mäusefänger und agiert auch gerne eigenständig.

Am bemerkenswertesten ist aber seine Fähigkeit Gefühle auszudrücken, ganz deutlich zeigt er seinen Menschen durch Gestik und Mimik was er empfindet, man weiß also immer woran man bei ihm ist.

In der heutigen Zeit eignet sich der Österreichische Pinscher auch hervorragend als Begleiter für Läufer und Wanderer und macht mit Begeisterung Hundesport, wie Agility, Breitensport oder Unterordnung.

 

Der Österreichische Pinscher ist ein toller Spielgefährte für Kinder und vor allem ein Welpe wird sich sehr gut in eine Familie mit Kindern integrieren. Generell gilt aber: Die hündischen "Höflichkeitsregeln" müssen auch Kinder beachten und die Verantwortung, Versorgung und Erziehung liegt immer nur beim Erwachsenen!  Kinder können je nach Alter kleinere Aufgaben übernehmen, nie aber die ganze Verantwortung. 

Der Österreichische Pinscher kann auch, hat er dies am besten schon im Welpenalter gelernt, liebevoll mit anderen Haustieren umgehen. Voraussetzung für all das ist natürlich eine gute Sozialisierung und Erziehung, wie bei jedem anderen Hund. Früher wurden auf den Höfen meist nur ein Hund gehalten, daher ist nicht jeder Pinscher für die Rudelhaltung geeignet, bei entsprechender Sozialisierung ist er aber mit anderen Hunden gut verträglich.

 

Fazit: Wer sich für einen ÖPI entscheidet bekommt einen Freund für eine Hundeleben lang,  liebevolle Konsequenz der erziehenden Menschen und klare Regeln, die dem Hund die Sicherheit geben, die er braucht um korrekte Verhaltensweisen entwickeln zu können, vorausgesetzt. Er ist kein Hund für Stubenhocker, aber auch keiner, der nur im Garten oder am Hof gehalten werden sollte, denn er will körperlich und geistig gefordert werden. Trotz aller positiver Eigenschaften ist der Österreichische Pinscher aber kein Hund für "Jedermann", denn er entfaltet sich am besten in einer positiven Mensch-Hund Beziehung und der Möglichkeit auf Zuwendung und Beschäftigung. 

 

Den genauen Rassestandard des Österreichischen Pinschers kann man auch beim FCI nachlesen unter:

http://www.fci.be/nomenclature/Standards/064g02-de.pdf             

 

Viele interessante Beiträge und Austauschmöglichkeiten mit anderen ÖPI Freunden, Besitzern und Züchtern finden Sie auch im Facebook in der Gruppe "Österreichische Pinscher"

 

 

Quelle: "Der Österreichische Pinscher-Kulturgut auf vier Pfoten" von Huemer-Korn L.Deborah